Social Bookmarks

Share |

Mitgliedschaften u.a.

Mitglied im Anwaltsverein
Datev-Mitglied
In Focus 24/2000 wurde eine Liste von 26 empfohlenen Anlegeranwälten veröffentlicht, zu denen damals bereits Wilhelm Lachmair zählte.
Empfohlene Wirtschaftskanzlei für Kapitalanlagerecht

Geschädigt?

Kontaktieren Sie uns:
Per Telefon: 089/216 333-0
Per Fax: 089/21 63 33 - 31
Per eMail: info(at)ra-lachmair.de
Per Online-Formular

Erstberatung:
Erstberatung für Geschädigte

Suchen

Weitere Angebote

Göttinger Gruppe-Vermittler verurteilt

 

Landgericht Coburg erkennt auf Schadenersatzanspruch wegen Verschweigen schlechter Presse.

München, 29.04.2004; Das Landgericht Coburg hat in einem Urteil vom 07.04.2004 einen Göttinger Gruppe- Vermittler zu vollem Schadenersatz verurteilt. Dieser hatte im November 1994 Anteile an der Göttinger Vermögensanlagen AG vermittelt. Dabei habe er auf diverse negative Pressestimmen nicht hingewiesen, weshalb er seine Beratungspflichten verletzt habe (Az: 22 O 623/03). Aus den Entscheidungsgründen:

"Die Klage hat in der Sache in weiten Teilen Erfolg. Der Kläger hat aus positiver Verletzung des zwischen den Parteien geschlossenen Anlageberatungsvertrags Anspruch auf Ersatz des infolge der Beteiligungen an der Göttinger Gruppe ... entstandenen Schadens.

    ...

  1. Die Parteien haben 1994 in einen Anlageberatungsvertrag geschlossen. Ein solcher Vertrag, der stillschweigend durch die Aufnahme des Beratungsgespräches zustande kommt, ist in Abgrenzung zum Anlagevermittlungs- bzw. Auskunftsvertrag regelmäßig dann anzunehmen, wenn der Kunde nicht nur die Mitteilung von Tatsachen, sondern insbesondere die fachkundige Bewertung und Beurteilung erwartet. Der Kapitalanleger hat in diesen Fällen häufig selbst keine ausreichenden wirtschaftlichen Kenntnis und keinen genügenden Überblick über wirtschaftliche Zusammenhänge und wünscht deshalb eine auf seine persönlichen Verhältnisse zugeschnittene Beratung. Von einer bloßen Anlagevermittlung ist demgegenüber dann auszugehen, wenn der Anlageinteressent deutlich macht, dass er, auf eine bestimmte Anlageentscheidung bezogen, die besonderen Kenntnisse und Verbindungen des Vermittlers in Anspruch nehmen will und der Anlagevermittler die gewünschte Tätigkeit beginnt."

  2. Im vorliegenden Fall hatte der Kläger noch keine bestimmte Anlageform ins Auge gefaßt. Auch ist der Beklagte als unabhängiger Finanzberater aufgetreten, ohne zu erkennen zu geben, dass er die Interessen eines bestimmten Anlageunternehmens vertritt. Schließlich war er dem Kläger sogar bei der Steuererklärung mindestens behilflich. Die beschriebene Tätigkeit geht somit über die bloße Anlagevermittlung hinaus und stellt eine Anlageberatung dar.

  3. Gegen die Verpflichtung aus dem Beratungsvertrag hat der Beklagte vorliegend verstoßen. Der Anlageberater schuldet eine anlegergerechte und objektgerechte Beratung (OLG Bamberg vom 22.10.2001, 4 U 62/01). Hierzu gehört, dem Vertragspartner wahrheitsgemäß die Tatsachengrundlagen darzulegen und zu offenbaren, auf die dieser seine Anlageentscheidung aufbaut. Die Beratung des Kunden muss richtig und sorgfältig, für den Kunden verständlich und vollständig sein. Sie muss zeitnah erfolgen und alle Umstände erfassen, die für das Anlagegeschäft von Bedeutung sind. Fehlen dem Anlageberater derartige Kenntnisse, so hat er dies dem Kunden mitzuteilen und offenzulegen, dass er zu seiner Beratung, z.B. über das konkrete Risiko eines Geschäfts, mangels eigener Information nicht in der Lage ist (OLG Bamberg vom 25.02.2002, 4 U 204/01). Zu einer vollständigen Information gehört es auch, den Anleger über kritische Stimmen in der Wirtschaftspresse zu unterrichten (OLG Stuttgart vom 27.11.2002, 9 U 59/02; LG Darmstadt vom 18.03.2003, 8 O 216/02; LG Berlin vom 29.09.2003, 5 O 238/03). Diese Aufklärungspflichten treffen bereits den Anlagevermittler und sind im Fall einer Anlageberatung erst recht zu wahren.

    ...

  4. Die vorgelegten Presseberichte betreffen die im hiesigen Fall gewählten Anlagen, denn der gerlach report zeigt die Unternehmensverflechtungen auf zwischen Securenta-Gruppe (mit der Securenta AG und der Securenta Bank AG), Langenbahn-Konzern bzw. Göttinger Gruppe (mit der abhängigen Göttinger Vermögensanlagen AG) und auch dem Bankhaus Partin & Co. Inhaltlich behandeln die Presseberichte zudem wesentliche Umstände, die den Erfolg der Anlagen in Frage zu stellen geeignet waren und zumindest nach weiterer Aufklärung der berichteten Tatsachen verlangten. Die erhobenen Vorwürfe sind massivster Natur, denn die Rede ist unter anderem von einem "modifizierten Schneeballsystem", völlig unrealistischen unternehmerischen Planzielen und Renditeversprechungen, finanziellen Schieflagen der Unternehmen und der Gefahr des Totalverlusts der Anlagen. Sowohl der gerlach report als auch "..." berichteten zudem, das die Verbraucherzentrale Berlin e.V. die Göttinger Gruppe in eine "Liste unseriöser Geldanlagenangebote" ("Schwarze Liste") aufgenommen habe, deswegen in einen Rechtsstreit verwickelt worden sei und in zwei Instanzen vor dem LG und OLG Köln obsiegt habe.

    ...

  5. Der dem Kläger zustehende Schadenersatzanspruch ist endlich auch nicht wegen Mitverschuldens zu kürzen (§ 254 Abs. 1 BGB). Anknüpfungspunkt für die Haftung des Beklagten ist im hiesigen Falle die unterlassene Aufklärung über die kritische Fachpresse. Insoweit ist zu berücksichtigen, dass dem Kläger als Laien nicht zuzumuten war, sich in der Wirtschaftspresse selbst über die Risiken der Beteiligung zu informieren. Vielmehr hat er sich gerade zum Zweck der umfassenden Information dem Sachverstand eines Anlageberaters anvertraut. Auf die umfassende Aufklärung durch diesen Berater durfte der Kläger vertrauen."



Deutliche Worte also, die sich allerdings durchweg auf der Linie der ober- und höchstgerichtlichen Rechtsprechung bewegen. Um so unverständlicher ist es, warum etwa das Landgericht Göttingen sogar Anlegern, die im Jahr 2000 nach noch viel massiveren Presseberichten geworben wurden, immer noch jeden Schutz versagt.

Verjährung droht

Wir weisen aber darauf hin, dass Ansprüche gegen Anlageberater zum 31.12. dieses Jahres zu verjähren drohen. Dann sind sämtliche auf Fahrlässigkeit gestützten Schadenersatzforderungen erledigt, soweit die "Beratung" mehr als drei Jahre zurückliegt.