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Letztes Gefecht

Bericht von der außerordentlichen Hauptversammlung vom 10.09.2002 - Vertrieb hat ausgedient - Rinnewitz : Alles wird gut.

München, 10.09.2002; Wenig wirklich überraschendes kann man von der außerordentlichen Hauptversammlung der Securenta AG berichten, mit der der Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals angezeigt wurde. Außer vielleicht, daß sich Vorstand und Aufsichtsrat strikt weigerten, die Zahlen, mit denen Dr. Rinnewitz die von ihm erwartete Durchhalterede garnierte, an die Teilnehmer herauszugeben. Dies wurde zwar mehrfach vom Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Rechtsanwalt Dr. Schaad, angemahnt, allerdings jedesmal ohne Ergebnis. Begründung: Die neuesten vorläufigen Zahlen für 2000, die offensichtlich um einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag von den vorläufigen Zahlen des Jahres 2000, wie sie zuletzt verkündet wurden, abwichen, könnten sich ja bis zum Testat nochmals ändern. Das wäre dann peinlich.

Ergebnis für 2000 deutlich nach unten revidiert - stillen Gesellschaftern droht Rückforderung von Entnahmen

Statt der "schwarzen Null" für 2000 gibt es nun einen satten Verlust von 47,9 Mio. €, vorläufig jedenfalls. Und unter Einbeziehung von "Erträgen aus Verlustzuweisungen" in der Größenordnung von ca. 140 Mio. €. Sprich: Auch in 2000 geht man nicht davon ab, das neu eingezahlte stille Kapital zur Ergebniskosmetik heranzuziehen. Dies, ohne daß im Gegenzug dazu irgendwelche erkennbaren stillen Reserven gebildet werden, die das Kapital seriöser Verlustzuweisungsgesellschaften sind. Insgesamt soll die Securenta - was sehr bezweifelt werden muß - über stille Reserven von 122 Mio. € verfügen, denen Verlustzuweisungen an die stillen Gesellschafter von ca. 676 Mio. € gegenüberstehen. Deren Kapital ist damit weitestgehend vernichtet. Und nicht nur dieses: Soweit sie "gewinnunabhängige Entnahmen" getätigt haben, drohen ihnen Rückforderungen von 99,3 Mio. €. So jedenfalls nach dem zuletzt bekannten inoffiziellen Jahresabschluß 2000. Die Zahl kann sich ja stündlich ändern.

Auf die Nachfrage, wann der Verlust von wem festgestellt worden sei, kommt heraus, daß das betriebsinterne Rechnungswesen den 2000er Verlust am 17.07.2002, also mehr als eineinhalb Jahre nach Schluß der Bücher, entdeckt hat. In der Periode von Dezember 2001 bis dahin sei der Immobilienmarkt plötzlich eingebrochen und habe zu einer Korrektur führen müssen. Man könnte jetzt hochrechnen, welchen Wert die Immobilien am Jahresende haben würden, wenn ein testierter Abschluß präsentiert werden soll. Allerdings dürfte sicher sein, daß diese Erklärung einer Detailprüfung nicht standhält. Die behauptete Entwicklung ist nicht nachvollziehbar. Im übrigen wurde der Wert der Immobilien für den Abschluß 1999 unter Berufung auf Gutachten und anerkannte Bewertungsmethoden erst vor weniger als Jahresfrist taxiert.

Fragwürdige Aussichten

Im Verlauf der Hauptversammlung tun sich weitere Ungereimtheiten auf: Während man zunächst dem Vortrag von Rinnewitz ein Immobilienvermögen von € 141 Mio. - wenig genug - entnimmt, sollen es später 182,23 Mio. DM, also ca. 93,2 Mio. € sein. Im Vortrag führt Rinnewitz sodann an, daß die Dienstleistungstöchter der Securenta, die CSC GmbH, die GöZIT GmbH und die Interpart GmbH zwischenzeitlich am Markt etabliert werden konnten und die CSC schon 10 Kunden betreue. Details werden nicht genannt, der bösen Gegner der Göttinger Gruppe wegen. Eine externe Unternehmensbewertung habe einen Wert dieser drei Töchter von ca. 122 Mio. € erbracht, was angesichts einer Gewinnerwartung von 36 Mio. € bis einschließlich 2005 reichlich kühn wirkt. Die Frage, wer die Expertise denn erstellt hätte, wird konsequenter Weise gar nicht beantwortet. Es sei aber keine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gewesen.

Vages Unternehmenskonzept

Wenig nachvollziehbar ist auch das unternehmerische Konzept der sog. "Neuausrichtung". Während man im letzten Dezember erfuhr, daß das Kapital der Gesellschaft der Vertrieb sei, der einen erheblichen Unternehmenswert verkörpere, stellt man heute mit Erstaunen fest, daß dieser Aspekt nunmehr keinerlei Rolle mehr zu spielen scheint. Immerhin hat man vor weniger als Jahresfrist behauptet, über die sechstgrößte Vertriebsorganisation für Finanzdienstleistungen der Republik zu verfügen. Davon scheint nichts übrig zu sein. Einer Vielzahl von Vertriebsleuten sei mit teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen gekündigt worden, wie diverse Äußerungen aus dem Publikum belegen. Vom Vertrieb von Fremdprodukten ist keine Rede mehr. Was mit dem zuvor behaupteten Unternehmenswert sein soll, steht in den Sternen. Jetzt sind es also Dienstleistungen von der Unternehmensberatung über Call-Center bis hin zur EDV. Gespannt darf man auf das Unternehmensmodell für die nächste Hauptversammlung sein. Überzeugend wirkt das alles nicht.

Von Sündenböcken

Der Verlust aus dem Partin-Engagement wird nunmehr auf ca. 82,9 Mio. € beziffert. Er muß als Globalausrede dafür herhalten, daß die Gesellschaft zum Beispiel nicht einmal in der Lage ist, fällige Verträge aus dem Jahr 1999 auszuzahlen. Hier geht es um die exorbitante Summe von ca. 3,5 Mio. €, die man trotz angeblicher Eigenkapitalquoten von jenseits der 50% nicht auf einmal auszahlen könne. Das ist nicht plausibel, da eine derartige Quote, wenn schon nicht für Liquidität, so doch für Kreditwürdigkeit stehen müßte. Wäre das Geld der Anleger bestimmungsgemäß verwendet worden, dann wäre es wohl noch nicht einmal zur Insolvenz der Banktochter gekommen.

Ein Ereignis wie die Partin-Pleite hätte auch bei einem gesunden Mutterunternehmen eine Delle in den Erträgen und der Ertragserwartung verursacht. Es ist allerdings so, daß der Verlust in 1999 und in 2000 unter Außerachtlassung der "Erträge aus Verlustzuweisungen" nicht etwa 80, sondern 470 Mio. € betragen hat. Änderungen vorbehalten. Hierzu eine kurze Statistik für die Jahre 1998 - 2000:

Erträge aus Verlustzuweisung

Gewinn/Verlust (Verlust kursiv)

G/V ohne Erträge aus Verlustzuw.

1998

TD€ 174.941

TD€ 13.095

TD€ 161.846

1999

TD€ 149.708

TD€ 102.207

TD€ 251.916

2000

TD€ 142.634

TD€ 47.900*

TD€ 190.500

Gesamtverlust ohne Verlustzuweisungen


TD€ 604.261


* ohne Berücksichtigung des Verlustvortrages 1999

Securenta Insolvent? - Fällige Zahlungen bleiben aus

Die Insolvenz stehe nach Dr. Rinnewitz definitiv nicht zur Debatte. Ein so hoffnungsvolles Fazit können wir leider nicht ziehen. Der Gesamtverlust beläuft sich ohne die stillen Gesellschafter allein in den letzten drei bilanzierten oder wenigstens vorläufig bilanzierten Jahren auf mehr als 600 Mio. €. Ein Betrag von 3,5 Mio. € aus gekündigten Verträgen für 1999 könne nur in Raten gezahlt werden. Das ist für sich schon bestürzend, wenn auch nicht überraschend. Die Göttinger Überlebenskünstler verkennen aber auch, daß nicht nur die 1999er Verträge, sondern auch diejenigen, die zum Ende 2000 und 2001 gekündigt wurden, mittlerweile zur Zahlung anstehen. Dabei dürfte es um erheblich größere Summen gehen. Wie solle der dann zu erwartende Betrag erst zurückgeführt werden?

Dabei können sich die Göttinger nicht auf das Argument stützen, die Zahlungen wären mangels testierter Jahresabschlüsse nicht fällig. Zu deren Erstellung jeweils im ersten Quartal des Folgejahres haben sie sich vertraglich verpflichtet, so daß hier in jedem Fall mindestens fällige Verzugsschadensansprüche bestehen. Die werden aber ohne Klage auch nicht bedient. Ein merkwürdiges Geschäftsgebaren.

Zur Frage des Schneeballsystems

Nicht ansgeräumt wird der Vorwurf des Schneeballsystems. Die Einzahlungen der Stillen Gesellschafter betragen bei der Securenta € 780 Mio. und bei der Holding 316,5 Mio. €. Die Bilanzen von Securenta und Holding beinhalten bislang "Erträge aus Verlustzuweisung" von ca. 909 Mio. €. Selbst unter Berücksichtigung der "gewinnunabhängigen Entnahmen" ist ausweislich der zuletzt behaupteten Bilanzzahlen nach unserer Interpretation der 2000er Zahlen für Holding und Securenta ein Betrag in dieser Höhe vernichtet worden. Davon entfallen 675 Mio. € auf die Securenta, der Rest auf die Göttinger Holding. Dem sollen neben den verbliebenen, allerdings kaum zu taxierenden Werten stille Reserven von angeblich 122 Mio. € gegenüberstehen, wobei der Ansatz zu bezweifeln ist. Wo sollen die stecken?

Im gerade wieder abgewerteten und wohl wertausschöpfend belasteten Immobilienbestand oder in den wenigen seit Jahren unverändert vor sich hin wirtschaftenden Unternehmenstöchtern? Die stehen immerhin mit ca. 107 Mio. € im vorläufig letzten inoffiziellen 2000er Abschluß der Securenta. Ob das eine adäquate Bewertung ist, darf bezweifelt werden. Schon die zuletzt erkennbare Art der Unternehmensbewertung spricht Bände. Wertpapiere gibt es ohnehin so gut wie keine (per 31.12.2000 21 TD€ bei der Securenta und weniger als 2 TD€ bei der Holding). Wenn jemals mehr als nur ein sehr geringer Teil der Gelder investiert worden sein könnte, den Zahlen entnehmen kann man das nicht. Wo also ist das Geld der Aktionäre und stillen Gesellschafter geblieben?

Fehler im System

Die Konstruktion der Securenta beinhaltet schon einen großen gedanklichen Fehler. Versprochen wird ein Anlagemodell mit 100%iger Verlustzuweisung im ersten Jahr, verbunden mit einer Verkettung mehrerr Gesellschaften, die regelmäßig wieder neue Verlustzuweisungen erlauben. Ein derartiges System kann nur dann funktionieren, wenn ständig in Güter investiert wird, die, ggf. in Verbindung mit einer Fremdfinanzierung, Abschreibungen in Höhe des jeweiligen Eigenkapitals zulassen. Dies gelingt regelmäßig nur dann, wenn bestimmte steuerliche Subventionen, wie etwa die Zonenrandförderung oder die AfA Ost in Anspruch genommen werden oder aber in Anlagegüter mit hohen anfänglichen Abschreibungsmöglichkeiten wie Flugzeuge oder Kinofilme investiert wird. Nur so lassen sich einerseits Vermögenswerte aufbauen und zum anderen entsprechende Verlustzuweisungen realisieren.

Daß hier jemals so gehandelt wurde, läßt sich nicht erkennen. Entsprechende stille Reserven bestehen demzufolge auch nicht und wurden nie ernsthaft aufgebaut. Zugewiesen wurden vielmehr offensichtlich die tatsächlich entstandenen Verluste aus der laufenden Geschäftstätigkeit, was zur Vermögensvernichtung führen muß. Dies wird jetzt sichtbar. Die Position "Abschreibungen" ist in den uns bekannten Abschlüssen jedenfalls nie so bedeutsam, daß sie wirklich auf eine derartige Geschäftstätigkeit hindeuten würde. Und: Schon die 1991er Bilanz hätte ohne die Position "Erträge aus Verlustzuweisungen" mit einem satten Verlust abgeschlossen. Und zwar mit einem so dicken, daß der "gerlach-report" u.a. behaupten darf, das Geld der Anleger sei futsch (Urteil des OLG Köln vom 06.03.2000, 15 U 58/94).

Problematische Ausschüttungen

Der Newsletter 1/2001 der Göttinger spricht von "Ausschüttungen" von 275 Mio. € an die stillen Gesellschafter und Aktionäre - Geld, das notwendigerweise nur aus den neuen Einlagen kommen kann. Weil es im Unternehmen nicht erwirtschaftet wird. Der Hohn ist, daß die stillen Gesellschafter ihre Ausschüttungen zum Teil auf Kredit erhalten. Deckt das "restliche Kapital" die Ausschüttungen nicht, werden Forderungen an die Gesellschafter eingebucht, die zum Teil auch geltend gemacht werden. Und das durchaus mit relevanten Summen: Bei der Securenta kommen da 99 Mio. € zusammen, bei der Holding sind es immer noch ca. 17 Mio. €. Man überlege derzeit, so Rinnewitz auf der außerordentlichen Hauptversammlung, ob man diese Beträge geltend machen müsse.

In der Hauptversammlung meldet sich ein Vermittler zu Wort, der ausdrücklich erklärt, es sei in den Schulungen stets behauptet worden, die Ausschüttungen seien absolut sicher, da immer die erforderlichen Gewinne erwirtschaftet würden. Wovon Rinnewitz und Kollegen auf dem Podium natürlich nichts wissen wollen. Allerdings, was uns unsere Mandanten erzählt haben, trifft das durchaus zu. Die Betroffenen fallen heute aus allen Wolken, wenn sie auf die mögliche Rückzahlungspflicht angesprochen werden. Wobei wir glauben, daß man sich hier wohl gut wehren kann.

Der Schaden der "Stillen" wird Monat für Monat um einen unbekannten Betrag X - "Geschäftsgeheimnis" - vergrößert. Mit ihren Einzahlungen verlängern sie den Todeskampf der Gruppe - so unsere persönliche Einschätzung. Denn wo in der Gruppe Geld verdient werden soll, ist nicht klar. Frisches Anlegergeld kommt nach der Einstellung des Vertriebes von stillen Beteiligungen auch nicht mehr herein. Trübe Aussichten also, wie wir meinen.

Fortsetzung folgt

Am 20.12.2002 sollen - pünktlich zum Feste - die offiziellen 2000er Zahlen der Hauptversammlung vorgelegt werden. Das Testat liefern die Wirtschaftsprüfer Pütz, Gast und Partner. Wir werden gespannt sein, ob diese Versammlung noch stattfindet. Wollen wir´s hoffen.