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Schadensbegrenzung

Wie die Verantwortlichen der Göttinger Gruppe versuchen, den Tanker noch zu wenden und wie man mit den Grundsätzen der eigenen Anlagepolitik umgeht; zum Vorwurf des Schneeballsystems.

München, 07.01.2002 Zwei Ereignisse bestimmen diesen Bericht. Zum einen liegt zwischenzeitlich die Erwiderung auf die erste Sammelklage vor und zum andern liegt die Hauptversammlung für das Jahr 1999 nunmehr, mit gut 18-monatiger Verspätung hinter uns. Mit dem erwarteten Tenor: Man habe Fehler gemacht, vor allem Prof. Zacharias, der mittlerweile nicht mehr an Bord ist. Alles halb so wild, alles im grünen Bereich, sagen schon Haarmann, Hemmelrath und Partner; Eigenkapitalquote bestens, Investitionen plangemäß, im übrigen sei man Opfer der bösen Bankenlobby, die sich den lästigen Konkurrenten vom Halse schaffen wolle. Und dabei auf das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen als treuen Erfüllungsgehilfen bauen könne.

Aber das könne man mit der im übrigen immer noch nicht konkret und nachvollziehbar dargestellten "Neuausrichtung" des Konzerns in den Griff kriegen. Garniert mit einem neuen Organigramm und einigen neuen Gesellschaften betreibe man nun ein "Emissions-Dienstleistungs-Center". Was immer das sein mag. Und ungeachtet der Tatsache, daß es für die angebotenen Leistungen, die ja samt und sonders so spektakulär nicht sind, qualifiziertere Partner gibt, die zudem weder unter den Imageproblemen der Göttinger Gruppe leiden noch deren Altlasten mit sich schleppen.

Man möchte den Anlegern wünschen, daß diese "Strategie" aufgehe und sie mit dem blauen Auge davon kämen. Das aber wird vor allem bei genauerem Hinsehen immer weniger wahrscheinlich. Dies zeigen nicht zuletzt die Ausführungen des Vorstandssprechers Dr. Rinnewitz in der Hauptversammlung, während ebenso wie die Einlassung der Beklagten in der ersten Sammelklage in geradezu spektakulärer Weise zeigt, wie hier systematisch und skrupellos zu Lasten der Anleger gewirtschaftet worden ist.

Das Geld ist weg

127.000 betroffene Anleger haben bislang an die Securenta AG knapp 1,6 Mrd. DM gezahlt. Bis jetzt jedenfalls, denn weitere 1,9 Mrd. DM sollen sie noch erbringen. Was weder in der Hauptversammlung noch in der Klageerwiderung zur Sprache kam, ist die Frage, wo das Geld denn geblieben ist. Es sei programmgemäß verbraucht worden (also weg) und immerhin sei ausweislich der Wirtschaftsprüfer- und Rechtsanwaltskanzlei Haarmann, Hemmelrath und Partner nicht ausgeschlossen, daß es sich wieder einfindet. Das ist doch etwas wenig. Die Werte, die bis heute geschaffen worden, geben zu solchem Optimismus keinerlei Anlaß. Sie halten schon einer oberflächlichen Nachrechnung nicht stand, wohl der zweite Grund, warum man fast zwei Jahre für die Erstellung eines Jahresabschlusses benötigt.

Nochmals zur Wiederholung: Im Securenta-Konzern gibt es per 31.12.1999 folgende Werte:

  • Immobilienvermögen im Wert von 287,3 Mio. DM bei Bankschulden von 148 Mio. DM, davon über die Hälfte kurzfristig und weiteren Verbindlichkeiten
  • ein Wertpapierdepot mit 310.000 DM und
  • Unternehmen, die in der Bilanz mit ca. 166 Mio. DM zu Buche stehen und per Saldo mit Ausnahme der Securenta Vertriebs GmbH fast ausnahmslos Verluste machen.

Das wird durch die Behauptung schöngeredet, daß das wichtigste Gut eines jeden Finanzdienstleisters der Vertrieb sei und sich die Securenta auf diesem Feld unter den Top Ten in Deutschland wiederfinde. Wobei man verschweigt, daß die bestehenden Vertriebsverträge in vielen Fällen gekündigt worden sind und im übrigen erst jetzt zaghaft angefangen wird, Produktangebote von externen Kapitalanlagegesellschaften ins Portfolio zu bekommen. Was angesichts des belasteten Namens auch schwer sein dürfte. Fazit: viel bewegt wurde mit den bislang kassierten 1,6 Mrd. DM nicht. Wenn 20% davon durch konkrete Werte unterlegt sind, ist es viel. Und das ganze wird noch dramatischer, wenn man bedenkt, wieviel an Vermögenswerten in letzter Zeit noch hinzu kam. Nämlich fast gar nichts, trotz erheblicher Zuflüsse an Anlegerkapital.

Was ist ein Jahresabschluß

Eine philosophische Frage, die wohl in der Ära von Mittelerde und Harry Potters Zauberkunststücken durchaus ihre kulturelle Berechtigung hat. Nach unserer zugegebener maßen herkömmlichen Interpretation ist dies ein Zahlenwerk, das drei Monate nach Jahresschluß aufgestellt und in den ersten acht Monaten des Folgejahres festgestellt werden muß. So sagt es jedenfalls das Gesetz, konkret §§ 264 Abs. 1 HGB und 175 Abs. 1 S. 2 AktG. Nun sollen angeblich diese Pflichten dann nicht gelten, wenn irgendwelche künftigen Ereignisse zu erwarten sind, die auf die Wertansätze in der Bilanz einfluß nehmen könnten. Nicht anders sind die diesbezüglichen Erklärungen des Vorstandssprechers Dr. Rinnewitz zu deuten. Was blanker Unsinn ist. Der Jahresabschluß ist in der dafür geltenden gesetzlichen Frist aufzustellen. Zu diesem Zeitpunkt waren die "ungewissen Ereignisse", auf die man sich jetzt beruft und mit denen da Ende der Partin Bank gemeint ist, gar nicht absehbar. Diese Entwicklung hat sich ja erst Anfang letzten Jahres mit dem Moratorium vom 29.01.2001 zugespitzt. Zu einem Zeitpunkt also, wo man über den Abschluß 2000 nachdenken hätte müssen.

Nachdem nicht sein kann, was nicht sein darf, wird jetzt behauptet, daß man den Abschluß nicht hätte erstellen können, weil ja retrospektiv zukünftige Entwicklungen Aufnahme finden müssen, die erst die wertmäßige Relevanz gewisser Umstände aufzeigen könnten und deshalb beachtlich seien. Was auch richtig ist, wenn diese Umstände nach Schluß der Bücher und vor Aufstellung der Bilanz eintreten, also maximal im ersten Quartal des Folgejahres, was aber selbstverständlich niemals die zur Bilanzerstellung geltenden Fristen aushebeln kann. Denn dann könnte keine Gesellschaft der Welt jemals einen Abschluß erstellen, weil sich ja immer nachträglich etwas ändern würde.

Willkürliche Buchungsmanöver zu Lasten der Anleger

Wenn der Prüfungsverband der Banken beanstandet, daß noch lange nach Schluß der Rechnungsperiode wild herumgebucht wird, dann hat dies durchaus seine Berechtigung. Dies erschließt sich in der gesamten Brisanz erst, wenn man sich die Klageerwiderung der Göttinger Gruppe zu Gemüte führt, die ähnlich wie die Prospekte das wirklich interessante erst ziemlich weit hinten offenbart. So heißt es auf Bl. 40 ganz unten zur Erläuterung, warum das vorwiegend Langenbahn-AG- und GöBAG- Anleger beinhaltende Segment IV zugunsten des Segments I, in dem sich ausschließlich die persönlich haftenden Gesellschafter, also Rinnewitz und Kollegen befänden, ca. 46 Mio. DM in bar überwies:

"Hinsichtlich der angesprochenen unternehmensinternen Überweisung von 45,9 Mio. DM ist allein folgendes richtig:


Im Rahmen der unterjährigen Liquiditätsdisposition wurden Zahlungen von Bankkonten, die dem Segment IV zugeordnet werden, auf Bankkonten, die dem Segment I und II zugeordnet werden, vorgenommen. Damit erfolgte jedoch keine Vermögensverschiebung zu Lasten des Segments IV, weil die Gelder für Investitionen und Wirtschaftsgüter verwendet wurden, die im Rahmen der endgültigen Bilanzerstellung dem Segment IV (Göttinger Beteiligungs AG) zugeordnet wurden. Es handelt sich hierbei beispielsweise um die Begründung einer stillen Beteiligung an der Fußballmarketing- und Investitions-AG Tennis Borussia Berlin in Höhe von 20,1 Mio., die Übernahme von Aktien der Gutingia Lebensversicherungs AG in Höhe von 2,5 Mio. DM, Aktien des Bankhauses Partin GmbH & Co. KGaA in Höhe von 2,0 Mio. DM, Aktien der Securenta Bank AG in Höhe von 2,6 Mio. DM sowie externe Wertpapiere in Höhe von 2,5 Mio. DM."


Dies zu einem Zeitpunkt, an dem die Wertlosigkeit sowohl der Beteiligungen an der Fuma als auch die der Bankaktien definitiv feststand! Dafür ist üppig Bares an das Segment der Initiatoren geflossen, das mit wertlosen Anteilen "vergütet" werden sollte. Die haben das auch zum erheblichen Teil abgezogen. Es fällt uns schwer, ein derartiges Geschäftsgebaren zu kommentieren. Der einzelne Anleger kann nun endgültig selbst beurteilen, was er von den Verantwortlichen der Göttinger künftig noch zu erwarten hat.

Um mit Hamlet zu sprechen:

Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.