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Vermögen durchgebracht

Wie die Göttinger Gruppe das Vermögen der Anleger dezimiert hat; Auch Vermittler können haften.

ünchen, 17.07.2002; Immer noch leistet der aus unserer Sicht längst zahlungsunfähige Göttinger Gruppe Konzern hinhaltenden Widerstand. Seine Verantwortlichen erzählen jedem, der es hören will, daß man sich neu ausrichten möchte, um zu alter Größe zurückzukehren. Die Göttinger Finanzakrobaten, das Opfer mißliebiger Bankenkonkurrenz und bösartiger Aufsichtsbehörden. Nun sind wir weit davon entfernt, den Banken das Wort zu reden; aber an allem schuld können sie auch nicht sein. Die momentane Situation von Securenta und Co. kann man ihnen aus unserer Sicht nicht anlasten. Vielmehr werden langsam die ganzen Dimensionen der Vermögensvernichtung deutlich, die Vorstand Rinnewitz und seine Helfer zu verantworten haben.

Die Beklagten haben das Geld ihrer Gesellschafter nicht wie zugesichert in Immobilien, Wertpapiere oder unternehmerische Beteiligungen investiert, sondern zweckwidrigen Verwendungen zugeführt. Wir nennen das Schneeballsystem. Dies folgt aus den eigenen Zahlen der Securenta (Zahlen der Holding sind derzeit nicht verfügbar). Wir möchten dies am Beispiel der Vermögensentwicklung deutlich machen:

Immobilienanlagen

Erste Angaben zu den angeschafften Vermögenswerten finden sich im Securenta-Prospekt vom 15.10.1997 und beziehen sich auf den 01.01.1996. Es folgen Angaben zu den Stichtagen 01.01.1998 und 31.12.1998 im Securenta-Prospekt per 01.08.1999. Neuere Prospekte gibt es nicht, wohl aber den testierten Jahresabschluß 1999, dort Bl. 26 und 27 und den nicht testierten Jahresabschluß 2000. Danach ergibt sich folgende Entwicklung bei den Immobilien (Buchwerte):

31.12.1995

DM 240.958.271,12

€ 123.200.007,73

31.12.1996

DM 253.450.855,90

€ 129.587.364,90

31.12.1997

DM 228.821.273,36

€ 116.994.459,31

31.12.1998

DM 233.204.527,26

€ 119.235.581,45

31.12.1999

DM 228.438.148,88

€ 116.798.570,88

31.12.2000

DM 215.389.910,12

€ 110.127.112,34


Herangezogen wurden wegen der besseren Vergleichbarkeit nur die Abschlüsse der Securenta AG. Es kommen noch Immobilien im Wert von etwa 6,5 Mio. € hinzu, die bei Göttinger Gruppe Holding verwaltet werden und eine Reihe von Objekten, die zur Partin-Bank-Gruppe zu rechnen sind, u.a. das Verwaltungsgebäude dieses Instituts. Dies bedeutet nichts anderes, als daß seit 1995 nennenswerte Anlagen in Immobilien nicht getätigt wurden und die vorhandenen Werte trotz erheblicher Kapitalzuflüsse seit 1996 sinken. Diese Aussage läßt sich schon ungeachtet der Belastung der Objekte, die natürlich nirgends bekanntgegeben wird, treffen. Immerhin räumt der 2000er Jahresabschluß Grundpfandrechte von 160 Mio. DM ein.

Inwieweit jemals mit Immobilien Geld verdient worden sein soll, ist nicht plausibel. Schließlich sind von etwaigen Mieterlösen auch die Darlehenszinsen zu bezahlen. Die für die Unterhaltung des Apparats erforderlichen Summen dürften kaum erwirtschaftet worden sein.

Finanzanlagen

Die Finanzanlagen teilen sich im wesentlichen in Anteile an verbundenen Unternehmen, also etwa von der Securenta gehaltene Aktien und stille Beteiligungen an der Holding und Anteile an Konzernunternehmen, Ausleihungen an diese und sonstige Ausleihungen auf. Auch hier ist die Entwicklung eindeutig. Die Salden der Bilanzen entwickeln sich wie folgt:

31.12.1995

DM 132.576.711,63

€ 67.785.396,29

31.12.1996

DM 132.303.890,39

€ 67.645.905,01

31.12.1997

DM 110.613.460,01

€ 56.555.764,05

31.12.1998

DM 130.530.063,50

€ 66.738.961,72

31.12.1999

DM 41.470.003,93

€ 21.203.276,32

31.12.2000

DM 33.239.138,39

€ 16.994.901,60


Auch hier sieht man, daß trotz erheblicher Mittelzuflüsse - seit 10.01.1998 mehr als 1 Mrd. DM oder 514,74 Mio. € - nicht nur kein Anstieg der Vermögenswerte verzeichnet werden kann, sondern eine krasse Reduktion, ein signifikanter Schwund der Mittel, hinzunehmen ist. Damit stellt sich die Frage, wo das Geld geblieben ist. Eine Frage, die wir nicht beantworten können.

Wertpapiere

Jedenfalls stecken die Mittel nicht in Wertpapierdepots, soweit dies aus den jeweiligen Bilanzen ersichtlich ist. Hier muß man sich überhaupt mit wesentlich niedrigeren Zahlen anfreunden. Offenbar sind die Herren der Finanz keine Börsianer.

31.12.1995

DM 901.247,82

€ 460.800,69

31.12.1996

DM 350.784,40

€ 179.353,22

31.12.1997

DM 52.666,39

€ 26.927,90

31.12.1998

DM 6.091.297,82

€ 3.114.431,12

31.12.1999

DM 310.638,89

€ 158.827,14

31.12.2000

DM 40.587,66

€ 20.752,14

 

 

Kassenbestand und Guthaben

Um auch wirklich nichts zu vergessen, wird schließlich auch noch die Entwicklung des Kassenbestandes betrachtet.

31.12.1995

DM -,--

€ (k.a.)

31.12.1996

DM -,--

€ (k.a.)

31.12.1997

DM 16.862.904,24

€ 8.621.866,03

31.12.1998

DM 29.981.694,26

€ 15.329.396,86

31.12.1999

DM 22.851.429,41

€ 11.683.750,33

31.12.2000

DM 17.594.378,09

€ 8.995.862,67


Auch hier findet sich das Geld der Anleger nicht. Insgesamt beträgt der Vermögensstand per 31.12.2000 ca. 136,3 Mio. €, bei Grundschulden von ca. 80 Mio. €. Nicht eben viel bei Gesellschaftereinzahlungen von fast einer Mrd. € allein bei der Securenta. Ob die 2000er Zahlen authentisch sind, kann schwer beurteilt werden. Offensichtlich findet sich kein Wirtschaftsprüfer mehr, der das Zahlenwerk unterschreibt. Wahrscheinlich ist alles noch viel schlimmer. Aber vielleicht hilft ja Haarmann, Hemmelrath und Partner wieder mit einem Gutachten.

Daß die heutigen Zahlen noch erheblich schlechter sind, kann getrost unterstellt werden. Details kann man nur vermuten. Aber noch immer darf die Göttinger Gruppe anscheinend mit Billigung der niedersächsischen Strafverfolgungsorgane Monat für Monat Millionen bei ihren Ratensparern abbuchen und so den von ihr angerichteten Schaden vergrößern. Dort schwelt ja schon seit 2000 ein Ermittlungsverfahren, das aber nur mit äußerstem Unwillen betrieben wird und noch nicht einmal zur Durchsuchung der Geschäftsräume geführt hat. Wenn man bedenkt, daß die Strafanzeige von einer Bundesbehörde kommt und von einem Landeskriminalamt unterstützt wird, schon eine sehr erstaunliche Vorgehensweise, aus der jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann.

 

Vermittler verklagt

Die Kanzlei hat zwischenzeitlich auch erstmalig Vermittler in die Haftung genommen. Eine beim Landgericht München eingereichte Klage richtet sich u.a. gegen die Acura GmbH, die noch im Herbst 2000 eine erhebliche Einmaleinlage vermittelt hat. Das ist angesichts der bis dahin schon bekannten Umstände ein ausgesprochen unfreundlicher Akt. So war damals schon bekannt, daß das seinerzeitige Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen die Gesellschaften und Vorstände der Göttinger Gruppe für ungeeignet hielt, die Gesellschafterstellung einer Bank wahrzunehmen. Auch wenn sich die Behörde im ersten Rechtszug nicht durchsetzen konnte, ist alleine der Umstand eines derartigen Gerichtsverfahrens aufklärungspflichtig. Zumal zweitinstanzlich die Göttinger einlenken und einen Treuhänder für die Partin-Bank bestellen mußten.

Zum anderen lag im Herbst 2000 noch kein Jahresabschluß für 1999 vor, was als absolutes Alarmzeichen gewertet werden muß. Ein Unternehmen, das am sicherlich nicht zimperlichen Neuen Markt gelistet wäre, wäre in so einem Fall schon längst ausgeschlossen gewesen. Warum ausgerechnet eine Kapitalanlagegesellschaft hier eine mildere Beurteilung verdienen sollte, ist in keiner Weise ersichtlich.

Wir prüfen im übrigen auch noch Ansprüche gegen Vermittler, soweit auf Grundlage der Prospekte bis 1995 vermittelt wurde. Hier gibt es aus unserer Sicht massive Plausibilitätslücken, zu deren Aufklärung durch entsprechende Nachforschung die Vermittler verpflichtet gewesen wären (vgl. BGH Urteil vom 13.01.2000, III ZR 62/99). Auch hier sehen wir noch Spielraum zur Schadensbegrenzung.