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Wer den Schaden hat

Insolvenz der Real-Direkt AG enthüllt: Profitiert haben die Vertriebe und die Initiatoren. Das Geld der Anleger ist vernichtet. Zweifelhafte Interessengemeinschaften formieren sich.

München, den 25.02.2004; Wir berichten über diesen Fall, weil er für die Szene der atypisch stillen Beteiligungen nachgerade typisch erscheint. Die Initiatoren solcher Anlagemodelle nutzen den Umstand, dass es keinerlei staatliche Aufsicht gibt, in exzessiver Weise aus. Der Veruntreuung der Anlegermittel ist Tür und Tor geöffnet. Am Ende haben die Anleger ein erhebliches Risiko, zum zweiten Mal für ihren Missgriff "bestraft" zu werden. Derweilen waschen die Gerichte vielfach ihre Hände in Unschuld. Strafrechtliche Ermittlungen werden entweder verzögert oder finden gar nicht statt. Wie sich die Zivilgerichte in diesem Falle zu der Sache stellen, wird sich noch herausstellen. Bleibt zu hoffen, dass sie mehr Einsicht an den Tag legen als das Landgericht Göttingen in den unsäglichen Göttinger-Gruppe-Fällen, wo man trotz offensichtlicher und eklatanter Vermögensvernichtung bislang Ansprüche kategorisch zurückweist.

Zum Fall:

Real-Direkt ist eine Aktiengesellschaft, die ab Januar 1998 typische und atypisch stille Beteiligungen herausgibt. Die letzten typisch stillen Beteiligungen werden im Mai 1999 und die letzten atypisch stillen Beteiligungen im Mai 2003 vertrieben. Das seinerzeitige Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen rügt sehr schnell, dass die typisch stillen Beteiligungen den Vorschriften des Kreditwesengesetzes zuwider laufen und ein verbotenes Einlagegeschäft darstellen. Im August 2000 wird die Abwicklung dieser Beteiligungen angeordnet. Als sich nichts tut, wird Anfang Februar 2001 ein Abwickler für diese Verträge eingesetzt. Nicht angreifbar sind die atypisch stillen Beteiligungen. Hier sind die Gesellschafter am Verlust beteiligt, das ganze zählt als Eigenkapital der Gesellschaft und fällt aufsichtsrechtlich in eine Gesetzeslücke. Die Geldeinsammelei kann also mit geringfügig veränderten Rahmenumständen munter weitergehen. Wie viel letztlich eingesammelt wurde, ist derzeit noch nicht bekannt.

50% der Kundengelder für Vertriebskosten

Dafür sind jetzt einige Schlaglichter der Mittelverwendung offenbar geworden. 50 % der Einlagen entfallen allein auf die Kosten des Vertriebes, nur der geringste Teil davon, nämlich 10 bis 15 % der Einlagen sind reine Provisionen. Das deckt sich mit unseren Erfahrungen.

Es gibt natürlich auch Immobilien, nämlich einen renovierten Plattenbau in Wurzen, der eine Nettojahresmiete von 273.000,-- € erzielt; weiterhin gibt es 45 Eigentumswohnungen in einem renovierten Plattenbau in Wurzen, die fast vollständig vermietet sind. Viel wirft allerdings auch das nicht ab. Daneben gibt es einen 50 %igen Anteil an einer BGB-Gesellschaft, deren Vermögen ausschließlich aus einer im Rohbaustadium der Sanierung stecken gebliebenen ehemaligen Kartonagenfabrik besteht und mehrere Gesellschaftsbeteiligungen, von denen wohl nur eine einen geringen Wert hat.

Mietrückstände

Die Mieten für die Geschäftsräume sind seit Monaten nicht bezahlt, Barmittel sind nicht vorhanden, das Mobiliar mit einem Vermieterpfandrecht belastet, Bankguthaben in vernachlässigbarer Höhe mit erheblichen Gegenforderungen aufrechenbar.

Gewinn wurde in keinem Jahr erzielt. Das Geld wurde u.a. für einen mobilen Star-Trek-Themen-Park ver(sch)wendet, ein Konzept, das bereits im Dezember 1998 in Verantwortung der Messe Düsseldorf mit einem Millionendesaster unter Absetzung des dortigen Chefs endete.

Und der Rest ist für ...

Gründer war die Ehefrau eines gewissen Anton Reinhofer, der später mit einem gewissen Marx die Aktien übernommen habe. Die Anteile werden im Mai 2003 an eine illustre Gesellschaft aus diversen Adligen veräußert, die Spur verliert sich irgendwo im spanischen Raum. Seit diesem Zeitraum werden auch keine neuen Beteiligungsverträge mehr abgeschlossen.

Wo ist der Rest des Geldes geblieben?

Daran haben sich, wie könnte es anders sein, die Initiatoren vergangen. So habe Reinhofer mehrere Darlehen im Gesamtbetrag von 1,5 Mio. DM erhalten, die bisher nicht zurückgezahlt sind. Zwischenzeitlich soll er die eidesstattliche Versicherung abgegeben haben. Weitere Details sind nur schwer zu ermitteln. Seit 2000 wurde keine Bilanz mehr erstellt. Wem das bekannt vorkommt? Nun, auch das kennt man von der Mutter aller stillen Gesellschaften, der Göttinger Gruppe.

Nachschlag an den Insolvenzverwalter

In der Gläubigerversammlung wird auch deutlich, dass der Insolvenzverwalter plant, die atypisch stillen Gesellschafter noch in die Haftung zu nehmen. Dies insbesondere, soweit sie bereits Entnahmen getätigt haben. Die sollen wieder zurückgezahlt werden. Hier wird man sich wehren müssen. Viel dürfte für eine Sittenwidrigkeit der Gesellschaft sowie einen betrügerischen Hintergrund sprechen. Die Rechtslage ist derzeit umstritten. In dem Fall dürfte irgendwelchen Zurückzahlungsforderungen der Arglisteinwand entgegenstehen.

Interessengemeinschaften formieren sich

Eine "Interessengemeinschaft Real-Direkt GbR", geleitet von ehemaligen Vermittlern, wirft sich den Anlegern an die Brust. Auch das ist nicht selten. Auf diese Weise bringt man sich elegant aus der Schusslinie. Denn bei Anlagen der hier vorliegenden Art liegt auf jeden Fall eines sehr nahe: Das ist die Vermittlerhaftung. Dies insbesondere, weil hier wenigstens in einigen Fällen noch eine Chance besteht, Ansprüche auch tatsächlich wirtschaftlich durchsetzen zu können.

Verjährung droht

Hier droht allerdings eine 3-jährige Verjährung, für Altansprüche endend am 31.12. diesen Jahres. Offensichtlich sucht man auf Vermittlerseite die Chance, sich über diese Schwelle zu retten. Das gilt etwa für die Vermittler des Finanzcentrums Kiel, die offensichtlich einige Anteile unter die Leute gebracht haben. Hier wird etwas von "Chancen einer Sanierung" gefaselt. Und natürlich mache es gegenwärtig keinen Sinn, rechtliche Schritte zu unternehmen. Letztlich könne man sogar die Vermögenswerte noch versilbern.

Wir können da nur warnen. Angesichts der eindeutigen Feststellungen des Insolvenzverwalters ist es etwa so, als wolle man mit 50-Euro-Raten auf die Mehrheitsbeteiligung am DaimlerCrysler-Konzern sparen. Einem solchen Vorhaben Erfolgsaussichten zuzumessen, erscheint gelinde gesagt übertrieben.

Staatsanwaltschaft überlastet

Grundsätzlich ist man im Stuttgarter Bereich mit Kapitalanlagekriminellen eher unnachsichtig. Ob es hier gleichwohl zu einem Ermittlungsverfahren kommt, dürfte allerdings nicht unmaßgeblich von der Personalsituation abhängen. Die zuständigen Staatsanwaltschaften sind überlastet. Wenn man sich allerdings dazu entschließen sollte, die Sache aufzugreifen, dürfen die Geschädigten wenigstens darauf vertrauen, dass die Stuttgarter Behörden hier effektiver und nachdrücklicher ermitteln, als man dies in Braunschweig bezüglich der Göttinger Gruppe feststellen musste.

Auch ein Trost.