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F&R Vermögensverwaltung AG - gefährliche Stille

Riskanter Blind Pool mit Stillhaltergeschäften - zweifelhafte Vertragsklauseln - unverständlich lange Laufzeiten - Aufklärungsdefizite

München, 09.05.2006; Ein "heißes" Angebot unterbreitet derzeit mit großem Aufwand die F&R Vermögensverwaltung AG. Man könne sich an einem geschlossenen Fonds beteiligen, der seine Mittel zunächst in festverzinsliche Wertpapiere anlege. Diese würden dann als Sicherheit hinterlegt, um sogenannte "Stillhaltergeschäfte" abschließen zu können. Dabei handelt es sich um Börsentermingeschäfte mit theoretisch unbegrenztem Risiko. Die seien gleichwohl im konkreten Fall nicht weiter gefährlich und problematisch. Ganz im Gegenteil wird - hinter verschämt vorgehaltener Hand - mit fantastischen Gewinnaussichten geworben. Ob die allerdings wirklich bestehen, wollen wir bezweifeln. Weder das wirtschaftliche Konzept noch der personelle Hintergrund scheinen uns überzeugend zu sein.

Der Stillhalter ist der Verkäufer einer Option. Nachdem gerade bei "sich seitwärts bewegenden Märkten" in mehr als 70% aller Fälle derjenige verliere, der die Option erwerbe, sei per Saldo stets ein Gewinn drin. Deshalb würden diese Geschäfte von institutionellen Marktteilnehmern sehr gerne durchgeführt und deshalb würde man die Risiken gerne problematisieren und in den Vordergrund zu rücken, da man bei diesen Geschäften unter sich sein wolle. Die beiden Frontmänner des Unternehmens, der persönlich haftende Gesellschafter Günther Rademacher und der Gründungskommanditist Bruno Fritz sind bislang noch nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Sie hätten angeblich schon seit längerem privat mit derartigen Geschäften spekuliert und dabei Erfolge erzielt.

Beteiligen kann man sich - wieder einmal - bereits mit 50 Euro monatlich oder mit einer Einmalanlage von 1.500 Euro. Verwaltet werden sollen die Anleger von einer Landshuter Gesellschaft, der PRO RATA GmbH, als Treuhandkommanditistin tritt eine "von Schirach Rechtsanwaltsgesellschaft mbH" auf. Wir sehen auf die Protagonisten erhebliche Haftungsrisiken zukommen, zumal wir Zweifel haben, dass sich das Angebot für die angesprochenen Anleger auszahlt. Das Angebot weist aus unserer Sicht massive Schwächen auf, die es mit zahlreichen - vielfach unseriösen - Gestaltungen teilt. Auch unsere ersten Erfahrungen mit der Vertriebspraxis lassen schlimmes ahnen.

Laufzeit als Falle

So erschließt sich uns nicht, warum ein derartiges Angebot, das doch auf eher kurzläufige Geschäfte setzt, mit einer Laufzeit von mehr als 13 Jahren aufwarten muss. Ein Aspekt, der ebenso überraschend wie in der Beratungspraxis nicht existent ist. Auf entsprechende Rüge wurde uns mitgeteilt, dass dieser Umstand aus allen vom Anleger zu unterzeichnenden Unterlagen hervorgehe - was nicht so ist. Er findet sich im sog. "Emissionsprospekt", weit hinten, dort aber mehrfach. Und sonst nirgends, insbesondere nicht im Zeichnungsschein. Der Prospekt wurde in unserem Fall nicht ausgehändigt.

Und wehe, man möchte früher aussteigen. Da ist dann von "Schadenspauschalen" und von einem 30%igen Abschlag auf das Auseinandersetzungsguthaben die Rede, also von drastischen Sanktionen. Alleine dies halten wir schon für unseriös.

Kosten als Renditekiller

Dass man die einmal geworbenen Anleger bei der Stange halten möchte, ist verständlich. Es scheint offenbar schwierig zu sein, Interessenten für das illustere Vorhaben zu finden. Per Ende 2005 sollten schon 6 Mio. € eingesammelt sein, so der Prospekt. Bis dato spricht nichts dafür, dass dies gelungen sein könnte. Der aktuelle Handelsregisterauszug der Fonds- KG weist jedenfalls per 26.04.2006 an Kommanditeinlagen nach wie vor 3.000 € aus, erbracht zu gleichen Teilen vom Gründungskommanditisten Fritz und von der von Schirach GmbH. Oder sollte man dort so nachlässig bei der Aktualisierung des Handelsregisters sein?

Das ist von zentraler Bedeutung, da in Fällen, in denen die Plazierung dramatisch hinter den Erwartungen zurück bleibt, die laufenden Kosten nicht selten das gesamte Anlegerkapital auffressen, wie etwa im Fall des Anbieters von stillen Beteiligungen R+W AG (vgl. Anleger betrogen und R+W AG zum Schadenersatz verurteilt). Auch hier geht aus dem Prospekt hervor, dass die angegebene Kostenquote von knapp 20% (inkl. Agio) nur bei Vollplazierung erreicht wird. Da verwundert es nicht, dass man derzeit offenbar mit allen Mitteln versucht, Neuanleger zu werben. Wir haben erhebliche Zweifel, ob diesen der bisherige Verlauf der Kapitalsuche, sollte er den geäußerten Befürchtungen entsprechen, nicht mitgeteilt werden muss.

Fehlende Mittelverwendungskontrolle

Vorliegend wird gar nicht verheimlicht, dass keinerlei Mittelverwendungskontrolle installiert ist. Diese erfolge mittelbar im Rahmen der Jahresabschlusse. Was, wie etwa das Phoenix-Desaster zeigt, keineswegs ausreichend sein dürfte. Die Gesellschaft unterwirft sich keinerlei Aufsicht, die Geschäfte sind höchst gefährlich und die Versprechungen hoch. Das ist eine aus unserer Sicht höchst explosive Mischung. Dies insbesondere, weil die Aufklärungspflichten, die sonst mit derartigen Geschäften verbunden sind, hier sträflich auf der Strecke bleiben.

Mit der gewählten Konstruktion sollen nämlöich offenbar auch die strengen Aufklärungspflichten umgangen werden, die sonst an den Abschluss derartiger Geschäfte geknüpft sind. Allerdings müssen Anleger dann nicht in qualifizierter Form auf die besonderen Risiken derartiger Geschäfte hingewiesen werden, wenn sie von jemandem beim Abschluss vertreten werden, der börsentermingeschäftsfähig ist. Ob das auch dann gilt, wenn der Vertreter wie hier praktisch auch der Anbieter der Geschäfte ist, müsste gegebenenfalls noch geklärt werden. Zweifel sind angebracht.

Ob dies verhindern kann, dass sich die Verantwortlichen um die allgemeinen mit derartigen Angeboten verbundenen Belehrungspflichten drücken können, wagen wir zu bezweifeln. Auch die diesbezüglichen "Beratungsprotokolle", die man sich im Rahmen des Vertriebes unterzeichnen lässt, dürften hier wenig helfen. Denn immerhin handelt es sich bei den hier zugrundeliegenden Stillhaltergeschäften unabhängig von der persönlichen Einschätzung der Anbieter mit um die gefährlichsten Transaktionen, die die Börse zu bieten hat.

Das Argument, man setze nur auf DAX- oder EUROSTOXX-Werte, zieht dabei nicht. Es verkennt, dass sich die konkret zu vereinnahmenden Prämien, also die Chancen, nach dem konkreten Risiko, also der von den Marktteilnehmern erwarteten Kursschwankungen richten. Und man darf nicht vergessen - mit derartigen Geschäften sind schon renommierte Banken binnen kürzester Zeit zugrunde gegangen.

Keine effektive Mitwirkungsmöglichkeit

Chancen, auf den Gang der Ereignisse Einfluss zu nehmen hat man erst einmal nicht. Man kann zwar - mit Hilfe eines Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers und "über die Treuhandkommanditistin" Einsicht in die Bücher nehmen. Wobei sich nicht erschließt, wozu diese Einschränkungen gut sein sollen. Findet man etwas, dann hat man eine Stimme, die dem eigenen Anteil am Gesamtkapital entspricht, also bei derartigen Massengesellschaften faktisch keine.

Die Chance, seine Mitgesellschafter in Kenntnis zu setzen, soll man nicht haben. Ein Anspruch auf Bekanntgabe von deren Namen und Adressen wird in § 13 Abs. 1 Treuhandvertrag ausdrücklich abbedungen. Ob so etwas zulässig ist, mag dahinstehen; der Vertrauensbildung dient es nicht. Es kann sogar dazu führen, dass das ganze Modell kippt, weil es beim Fehlen eines Minimums an Einwirkungsmöglichkeiten der Geldgeber gegen das KWG verstößt.

Zweifelhafte Vertriebsveranstaltung

Dazu passt, dass man sich vorliegend mit einer äußerst merkwürdigen Veranstaltung an potentielle Kunden wendet. Klangvoll unter dem Titel "Investor 2006" präsentiert, durfte man sich einen etwas kruden Vortrag des Vertriebsmannes Johann Pertschy über sich ergehen lassen der von Aktienfonds bis zu sich angeblich selbst finanzierenden "Nato-Häusern" in der Region um den Übungsplatz Grafenwöhr so ungefähr alles abdeckte. Inklusive so nützlicher Tipps, wie man solle doch vor allem geliehenes Geld einsetzen, weil man so leichter in Urlaub fahren könnte.

Angepriesen werden zunächst vor allem die Fonds, die Pertschy, offenbar selbst Inhaber eines Vertriebsunternehmens, selber vertreibt. Wobei die angeblich so phantastischen Zahlen einem genaueren Nachrechnen offensichtlich nicht standhalten. Und was eine Veranstaltung wie die 3.000- Euro- KG der F&R mit angesehenen Kapitalanlagegesellschaften wie Templeton und DWS gemein haben soll, erschließt sich dem Laien zunächst einmal nicht. Abgesehen davon, dass sie natürlich ein Vielfaches an Erträgen abwirft.

Vor diesem Hintergrund raten wir zu äußerster Vorsicht.